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Nussknacker und Mäusekönig
Gegenwart
Die Geschichte von Klara, die zu Weihnachten einen
hölzernen Nussknacker geschenkt bekommt, der im Traum zum Leben erwacht
und mit dem sie mancherlei Abenteuer zu bestehen hat, bis er sich in
einen Prinzen verwandelt, begeistert seit seiner Uraufführung 1892 im
Petersburger Marientheater das Publikum. Die Musik von Tschaikowskys
berühmten letzten Bühnenwerk aus seinem Ballett-Trias „Schwanensee,
Dornröschen und Nussknacker“ hat bis heute nichts von ihrer
illustrativen Kraft verloren.
Mit der choreographischen Umsetzung des "Nußknacker"-Stoffes
haben sich bisher viele bedeutende Choreographen auseinandergesetzt.
Immer wieder dient der Stoff als geniale Vorlage für opulentes,
sinnenfreudiges, optisch- attraktives Ballett-Theater. Nichts wird an
Möglichkeiten ausgelassen, den Zuschauer zu illusionieren, ihn mit
Zauberei und wunderschönen Bildern "einzufangen". Den Zuschauer
erwarten all jene fantastischen Reize, die bereits Generationen von
Theaterbesuchern bezaubert haben, die weihnachtliche Atmosphäre des
Heiligabends und die märchenhafte Welt des zweiten Akts mit seiner
bunten Folge von Tänzen. So ist die multimediale Umsetzung dieses
Klassikers auch für den Choreographen Jean-Christophe Blavier ein lang
gehegter Wunsch und eine echte Herausforderung. Unter Einbeziehung von
Musik, Bühnenbild, Kostümen und Multimedia schafft er einerseits eine
Choreographie und andererseits Videoprojektionen, die gemeinsam eine
stimmige Inszenierung ergeben. Mit abstrakten Motiven und dramaturgisch
eingesetzten Figuren, wird die Live-Choreographie sinnreich und
phantasievoll unterstützt. Der Choreograph und Filmemacher nutzt die
Vorteile des Fernsehens und setzt sie für ein qualitätsvolles
Live-Theater, eine Live-Choreographie ein.
Historisch
Anno 1816 dichtete E.T.A. Hoffmann sein Kindermärchen
vom "Nussknacker und Mausekönig", worin er die Geschichte der kleinen
Klara, Tochter des Medizinalrats Stahlbaum, erzählt, die zu Weihnachten
einen hölzernen Nussknacker vom Paten, Obergerichtsrat Drosselmeier,
bekommt. 1818 nahm Hoffmann das Märchen in eine Sammlung auf, die als
"Die Serapionsbrüder" vielen Dichtern und Komponisten des 19.
Jahrhunderts Stoffe geliefert hat, unter denen Lortzing, Wagner,
Offenbach und Tschaikowsky nur die berühmtesten sind. Alexandre Dumas
d.Ä. bearbeitete 1844 Hoffmanns Märchen für sein "Neues Magazin für
Kinder" als "Histoire d'un casse noisette".
1882 lernte Tschaikowsky dieses Märchen kennen. Der
Erfolg seines "Dornröschen"-Balletts am Petersburger Marien-Theater gab
ihm den Anstoß dafür, sich dem Stoff wieder zuzuwenden. Marius Petipa,
damals und dort tonangebender Meister des klassischen russischen
Balletts, orientierte sich, als er das Libretto für den "Nussknacker"
schrieb, an Dumas' französischer Version. 1892 wurde das neue Ballett,
zusammen mit Tschaikowskys Oper "Jolanthe", seiner letzten, in
Petersburg uraufgeführt. Schon einige Monate vorher war die - nicht
zuletzt durch den "Blumenwalzer" - bis heute höchst populäre
"Nussknacker-Suite“ erfolgreich im Konzertsaal unter Tschaikowskys
Leitung gespielt worden. Über Dumas d.Ä. hinweg verbindet Tschaikowsky
mit E.T.A. Hoffmann das Vermögen, sich in die Welt der Kinder versetzen
zu können. Seine geniale Ballettmusik erfreute sich bald größter
Beliebtheit. Nicht so leicht hatten es hingegen Libretto und Handlung
des "Nussknacker"-Balletts, weswegen seither eine ganze Reihe von
Bearbeitungen entstand.
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